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Der Xelor – Dofuswahn
Beitrag: #1
vom - Der Xelor – Dofuswahn
Der Xelor – Dofuswahn

Es fällt mir nun wirklich nicht leicht diese Geschichte zu schreiben, immerhin war ich dabei als eines der größten Hühner Massaker unseres Dorfes stattgefunden hatte, zumal es von einem guten Freund von mir verursacht wurde. In den Medien wird ja immer wieder darüber berichtet, dass Computerspiele schädlich für Menschen sind und sie verändern, auch wenn diese Geschichte ein beleg dafür ist, so will ich doch sagen, dass es nur am Fanatismus des einzelnen Spielers liegt, dass er in eine fremde Welt abrutscht und zu solchen Taten fähig wird.

Alles begann an einen bewölkten Nachmittag, mein Freund, Fenix, saß wie immer an seinem Rechner und spiele dieses Spiel, Dofus hieß es glaube ich, er hat es immer gespielt, egal wann und wo. Er hatte spaß daran seine Figur, eine Mumie, die mit Uhren warf auf Karten zu bewegen und harmlose Tiere und Pflanzen zu töten. Nachdem er nun schon wieder drei Tage nicht in der Schule war, wurde es Zeit ihn mal zu besuchen, doch wurde ich wie immer auf das Abstellgleis geschoben, es war viel wichtiger, dass ihn keiner seine Sonnenblumen wegnahm, die er töten wollte. Er war wie besessen, redete von nichts Anderem mehr, es ging in seinem Kopf nur noch um dieses Spiel. Anfangs dachte ich, dass es nur eine Phase sei, doch als er dann in einer Matheklausur erklären wollte, dass Fresssäcke ein potentielles Wachstum haben wusste ich, dass etwas unternommen werden musste, doch dachte ich nie daran, dass es zu so etwas kommen würde.

Wir lebten in einer eher ländlichen Gegend, neben einigen Hühner- und Schafställen gab es hier nur wenige Häuser und Menschen, es war eigentlich immer ruhig, bis plötzlich ein leises klicken die Ruhe zerbrach. Fenix sprang wie wild von seinem Rechner auf, fluchte und warf mit Dingen um sich, die er wohl nicht mehr brauchte, in all der Aufregung konnte ich einen schwarzen Bildschirm erkennen, es schien als wäre der Rechner wohl nun nach zehn Tagen Dauerbetrieb endlich heiß gelaufen. Wie wild fummelte er an jedem Kabel und Knopf herum, doch es half nichts, der Rechner gab keinen Ton von sich. Schließlich stand er nur noch im Raum und starrte auf den schwarzen Bildschirm, er war von seiner Welt getrennt, konnte nichts mehr tun, war nun alleine, doch dann verließt er plötzlich wie vom Affen gebissen das Zimmer, ich sah fast nur noch eine Staubwolke, ich hätte ihm folgen sollen, doch saß ich nur mit offenen Mund herum. Nach einiger Zeit guckte ich aus dem Fenster. Die Bewölkung hatte sich aufgelockert und es war ein schöner und sonniger Tag daraus entstanden. Doch als ich so verträumt in den schönen Tag guckte sah ich etwas, was mich doch sehr beunruhigte, ein Junge, wohl nur mit Toilettenpapier bekleidet schlug mit einem Stock auf meine Katze ein, als ich noch mal hinsah merkte ich, dass es Fenix war. Ich rannte sofort raus und schrie ihn an, doch er reagierte gar nicht, erst als ich ihn mit Gewalt stoppen wollte blieb er stehen.
„Geht es dir noch gut Fenix?“ Schrie ich ihn an.
„Ich bin Antoro der Xelor und du hinderst mich an meinem Training, verschwinde oder ich muss dich töten!“ Sprach er ruhig und richtete seinen Ast auf mich. Ich hatte richtig Angst vor ihm, er war wie von sinnen, als ob sein Geist immer noch in dieser anderen Welt fest hing. Doch dann drehte er sich plötzlich um, er sah aus, als hätte er etwas gefunden, was er schon lange gesucht hatte. Ich guckte in seine Richtung und sah nur die fette Dörte, die gerade vom Einkaufen wieder kam.
„Frakacia, dieses mal entkommst du mir nicht, ich bring dich ins Gefängnis!“ Rief er Dörte zu und rannte auf sie zu. Die fette Dörte war total erschrocken, dass hier ein nackter, nur mit Toilettenpapier bekleideter Junge mit einem Stock auf sie zu lief. Sofort ließ sie ihre beiden Taschen fallen und rannte los, so schnell hab ich diese Frau noch nie rennen sehen, ich war überrascht, so überrascht, dass ich für einen Moment Fenix vergaß und dieser Moment war auch schon zuviel. Er war weg, ich konnte ihn nicht mehr sehen. Was sollte ich jetzt tun? Hoffen, dass er sich von alleine beruhigt war in dieser Situation Hoffnungslos. Ich beschloss also ihn zu suchen, was gar nicht so leicht war in einer Landschaft, die zumeist aus hohen Feldern und langen Wiesen bestand, die Stunden verronnen und es gab keine Spur von ihm, ich hatte das Dorf nun schon vier mal von vorne nach hinten durchsucht und immer wieder seinen Namen gerufen, doch nichts war zu hören. Ich wollte mich gerade mit dem Gedanken abfinden, dass er sich doch beruhigt hatte, als ich plötzlich den Hühnerstall von Bauer Hans sah, dessen Tor aufgebrochen war. Ich wünschte mir so sehr, dass Fenix hiermit nichts zu tun hatte und dass er sich nicht noch mehr Ärger verschaffen würde, doch alle meine Wünsche wurden mit einem Schlag zunichte gemacht, knapp 50 Hühner lagen hier tot am Boden, einigen von ihnen wurden die Schnäbel abgerissen, anderen gar alle federn ausgerupft, man konnte jedenfalls deutlich erkennen, dass dies kein Raubtier war. Jetzt wurde ich langsam panisch, wo war er? As würde er noch anstellen? Sofort rannte ich zur Schafsweide, ein inneres Gefühl führte mich nach seinem geredet über Fresssäcke dorthin, und tatsächlich, dort stand er, fünf mehr oder weniger stark genervten Schafen gegenüber, er hielt etwas hoch, was für mich auf den ersten Blick wie eine Sanduhr aussah und tatsächlich, es war eine, da man das klirren deutlich hören konnte, als er sie einen Schaf an den Kopf warf. Die ganze Herde versammelte sich nun um ihn und mähte ihn bedrohlich an. As sollte ich hier tun? Ich konnte doch nicht einfach so hier herumstehen und zugucken wie sie ihn töten würden? Ich blickte mich und sah den Traktor des Bauern, zum Glück wusste ich, wie man so einen kurzschließen konnte. Ohne weiter Nachzudenken setzte ich mich ans Steuer und fuhr den Zaun der Weide auch gleich über den Haufen, man merkte deutlich wie aus den wilden Böcken langsam ängstliche Lämmer wurden und eines nach den Anderen wegrannte.
„Wie konntest du die Fresssäcke verscheuchen! Spinnst du? So einen Mob finde ich nie wieder!“ Sprach fenix immer noch im Wahn und ging langsam weiter.
„Sag mal Junge, was machst du hier?“ Fragte ich ihn verwundert und ging ihm hinterher.
„Ich such nen neuen Mob, ich will heute noch trainieren und stärker werden, könnte dir auch mal gut tun, du siehst aus als wärst du nur Level fünf.“ Sagte er genervt, als hätte ich ihm was getan.
„Hallo? Wir sind hier nicht in deinem Spiel! Dies ist das echte Leben, du hast Hühner getötet!“ Warf ich ihn nun wütend an den Kopf, doch er winkte nur ab und ging langsam auf einen Felsen zu.
„Crackrock! Du wirst sterben!“ Schrie er und fing an wie von Sinnen auf den Felsen einzuschlagen. Ich stand daneben und guckte nur verwundert zu. Einiger male versuchte ich ihn abzuhalten weiter zu schlagen, doch er wollte nicht auf mich hören und tat so als wäre ich nicht da. Langsam wurde es später, die Sonne verschwand am Horizont und ließ den Himmel rot leuchten. Ich wusste, dass ich hier nichts mehr tun konnte, in dem Zustand war es unmöglich für mich ihn abzuhalten. Langsam ging ich Schritt für Schritt nachhause und drehte mich immer wieder um, er wurde einfach nicht Müde, immer wieder schlug er hart auf den Stein ein, doch ich wusste, dass er nicht nachgeben würde. Spät am Abend rief mich noch mehrmals seine Mutter an, doch wollte ich nicht, dass ihn so jemand sah und sagte, dass ich von nichts wüsste. Ich war fest davon überzeugt, dass er, wenn es kalt werden würde zur Vernunft kommen würde und beruhigte so auch gleich meine Nerven um in den Schlaf zu finden.

Am nächsten Morgen war ich ziemlich aufgeregt, meine Mutter erzählte mir, dass Fenix immer noch vermisst werden würde. Sofort rannte ich los und ließ das Frühstück noch stehen, der Himmel war Wolkenverhangen und leichter Nebel hatte sich über den Feldern gelegt, endlich kam ich zu dem Felsen, zwei Schafe hatten sich um ihn versammelt, doch als ich näher kam sah ich, dass irgendwas unter dem Felsen lag. Ich ahnte Schlimmes und wurde so bestätigt, es war Fenix, er lag unter diesem Tonnen schweren Stein, ich kann mir auch heute nicht erklären wie er es geschafft hatte den Stein zu stemmen und sich darunter zu legen, doch wurde mir langsam eines klar, diesen Kampf hatte er verloren und mit ihm nicht nur ein Paar Daten auf einem Bildschirm, sondern gleich sein Leben. Ich denke oft an ihn, man hört es immer wieder in den Zeitungen oder auch i den Nachrichten, doch kein Fall war je so extrem wie jener, der sich in unserem kleinen Dorf zugetragen hat. Nur wenige sprechen darüber, über seinen Wahn hab ich nie ein Wort verloren, auch als ich gefragt wurde warum er nur Toilettenpapier trug. Nie sollte irgendjemand erfahren wie sehr sich mein Freund doch in den Wahn eines harmlosen Spiels hinein gesteigert hat.

Christopher Weiß
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30.03.2007, 19:10 von Iruini. )
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